Biodynamische Körperarbeit

 

Woher kommt dieses Verfahren?

Die Biodynamische Körperpsychologie wurde von der norwegischen Psychologin und Physiotherapeutin Gerda Boyesen entwickelt und unter anderem von ihren Töchtern Ebba und Mona Lisa Boyesen weitergeführt. Der Ansatz steht in Verbindung mit frühen psychoanalytischen Überlegungen Sigmund Freuds sowie mit den körperorientierten Arbeiten Wilhelm Reichs. Diese Einflüsse richten die Aufmerksamkeit auf das Zusammenspiel von Körperempfindungen, Gefühlen, Gedanken und Verhalten. Im Verständnis der Biodynamischen Körperarbeit können sich persönliche Erfahrungen und aktuelles Erleben auch in körperlichen Wahrnehmungen und Reaktionen widerspiegeln, beispielsweise in Atmung, Haltung, Bewegung, Muskelspannung und vegetativen Vorgängen.

Gerda Boyesen beobachtete, dass sich während ihrer Körperarbeit Veränderungen der Darmperistaltik und charakteristische Darmgeräusche zeigen können. Sie entwickelte daraus das Konzept der „Psychoperistaltik“. Nach ihrem Verständnis steht die Darmtätigkeit nicht nur mit der Verdauung von Nahrung, sondern auch mit der Verarbeitung von emotionaler und stressbezogener Anspannung in Verbindung. Die dabei wahrnehmbaren Darmgeräusche nutzte sie als körperliches Feedback, um ihre Berührung und manuelle Arbeit individuell anzupassen.

Der Begriff „biodynamisch“ setzt sich aus den griechischen Wörtern bios – Leben – und dynamis – Kraft oder Bewegung – zusammen. Im Rahmen dieses methodischen Verständnisses beschreibt er eine lebendige innere Bewegungs- und Regulationsfähigkeit. Diese kann sich auf körperlicher, emotionaler, mentaler und geistiger Ebene ausdrücken.

Die Biodynamische Körperarbeit ist ein körperorientierter Ansatz – der Körper wird als Zugang zum persönlichen Erleben einbezogen. Achtsame Berührung, sanfte Massagen verschiedener Körperstrukturen, Körperwahrnehmung, Atembeobachtung sowie die Wahrnehmung von Spannung und Entspannung sind Bestandteil der Begleitung. Die achtsamen Berührungen und Massagen tragen dazu bei, Spannungen in Haut, Faszien und Muskulatur wahrzunehmen und diese Strukturen zu lockern. Gleichzeitig laden sie dazu ein, die eigenen Körperempfindungen, Bedürfnisse und Reaktionsmuster bewusster wahrzunehmen.

Wie wende ich das Verfahren an?

In meiner Praxis dauert eine biodynamische Behandlung 75 Minuten. Bei Bedarf und Möglichkeiten kann dies auch angepasst werden.

Bitte komme in bequemer Kleidung. In der Regel findet die Behandlung bekleidet statt. Für ausgewählte Massagen wende ich auch Öle direkt auf der Haut an – selbstverständlich in vorheriger Absprache. Es ist mir wichtig, dass du dich in meinem geschützten, sicheren Raum während der Behandlung wohlfühlst und deine Grenzen wahrst.

Je nachdem, was sich für dich und dein körperliches Erleben stimmig anfühlt, beginne ich die Behandlung mit einer Massage oder auch mit Körper-/Wahrnehmungs- bzw. Atemübungen.

Dein Körper ist ein ganz wichtiger Teil in der Behandlung. Deshalb beziehen wir ihn sehr achtsam ein. Du musst nichts ausformulieren oder erklären – es gibt kein «richtig « oder «falsch». Es gibt nur deine «Wahrheit». Alles, was sich zeigt, ist eingeladen und willkommen und wird nicht bewertet.

Dein Körper ist in der Behandlung eine wichtige Orientierung. Dort, wo Worte nicht ausgesprochen werden (können),  unterstützt uns dein Bio-Feedback und deine Körperkommunikation darin, dein Erleben besser wahrzunehmen. Deshalb achte ich bewusst und sehr präsent auf die feinen Signale, wie zum Beispiel Atemrhythmus, Spannungsveränderungen oder körperliche Reaktionen. Ich bleibe durchgehend in Kontakt mit dir und orientiere mich an deinem Tempo und deinem Erleben. Auf dieser Grundlage gestalte ich die Begleitung prozessorientiert und in Abstimmung mit dir.

Mit einer harmonisierenden Berührung und einer kurzen Nachruhe beende ich die Behandlung, damit du bei dir ankommen und nachspüren kannst.

Nach der Behandlung wird häufig ein wohliges Gefühl von Entspannung und Leichtigkeit wahrgenommen. Wie die Behandlung erlebt wird, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich

Wichtige Hinweise zum Verfahren

Die biodynamische Körperarbeit versteht sich als ergänzende körperpsychologische Begleitung und als Möglichkeit zur persönlichen Entwicklung, Förderung von Selbstwahrnehmung und individuellem Wohlbefinden. Das Angebot ersetzt keine ärztliche, psychotherapeutische oder psychiatrische Abklärung und Behandlung.

Biodynamische Anwendungen sind nicht für jede Situation geeignet. Bei akuten Erkrankungen, Fieber, frischen Verletzungen, schweren Kreislaufproblemen, einer instabilen gesundheitlichen Lage oder wenn eine medizinische Behandlung Vorrang hat, sollte vorab eine Abklärung erfolgen. Auch bei schweren psychischen Krisen oder starker Verwirrtheit ist Vorsicht wichtig. In der biodynamischen Begleitung spielen körperliche Erfahrungen und Einflüsse aus der frühkindlichen Entwicklung eine Rolle, da sich frühe Prägungen und Schutzreaktionen im Körpergeschehen zeigen.

Bitte teile gesundheitliche Besonderheiten und belastende Vorerfahrungen immer vorab mit, damit wir gemeinsam prüfen können, ob dieses Verfahren für Dich passend ist.

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Wissenswert aus meiner Sicht…

Ich gehe davon aus, dass in jedem Menschen Fähigkeiten zur Anpassung und zur inneren Regulation angelegt sind. Lebensgeschichtliche Erfahrungen können jedoch dazu beitragen, dass sich Spannungen oder Schutzmuster entwickeln. Solche Muster können sich schon früh im Leben ausprägen und im Körper auf unterschiedliche Weise bemerkbar machen. Dabei können psychische, emotionale und körperliche Ebenen zusammenwirken. Aus meiner Erfahrung sind solche Reaktionen oft Ausdruck von Schutz und Bewältigung in herausfordernden Situationen — sie können hilfreich sein, wenn sie vorübergehend sind, und belastend werden, wenn sie sich dauerhaft festsetzen.

Gerade in den frühen Lebensphasen sind aus meiner Sicht gute Bindungs- und Beziehungserfahrungen von besonderer Bedeutung. Wenn ein Baby ausreichend Schutz, Nähe, Nahrung, Sicherheit und Zuwendung erfährt, kann das die Entwicklung auf vielen Ebenen unterstützen. Fehlen solche Erfahrungen über längere Zeit oder sind sie unsicher, kann dies das spätere Erleben und Verhalten mitprägen. In der Körperarbeit, wie ich sie praktiziere, nehme ich solche frühen Prägungen achtsam wahr, ohne sie zu bewerten.